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Der Traum vom Eisvogel!

Der Sommer verging, auch der Herbst und nun steht Weihnachten vor der Tür. Der kleine blaue Flieger zeigt sich nur noch selten. Was hätte ich gegeben, was gäbe ich noch immer darum, ihn in seiner ganzen Schönheit abzulichten...

Es sind nur wenige Schritte, bis ich an dem Bach bin, der meiner Heimatregion den Namen gibt - Gollachgau. Beinahe täglich gehe ich diese Schritte, biege in die "Schafschwemme" ein und schon bin ich "draußen", abseits der Häuser und Straßen. Ein gewundener Feldweg führt am Bach entlang, der mir schon im Frühling meine erste Prachtlibelle offerierte, die in ihrer Farbgebung sehr dem kleinen blauen Flieger ähnelt. Ein metallisches, kräftiges Blau. Es paßt nicht so ganz zu dem Grün und Braun und Gelb der übrigen Natur, aber es verzaubert das Auge sofort und der Fotograf will es festhalten, für jetzt und alle Zeit.

Gehe ich an der "Schafschwemme" links, überquere ich eine fest gebaute Holzbrücke und kehre zurück in die Stadt. Halte ich mich rechter Hand, geht der Weg scheinbar bis ins Unendliche. Auch wenn ich zwei Stunden immer gerade aus laufe, überquere ich nur einmal eine größere Straße. Im Sommer lief ich an hochwachsenden Maisfeldern entlang, wobei meine Augen aufmerksam nach kleinen Sensationen suchten. Da gab es z.B. eine unscheinbare, rote Larve. Zum Teil steckte sie mit dem Kopf in einem grünen Maisblatt, andere Vertreter ihrer Art liefen umher, genossen das Sonnenlicht und rechneten nicht damit, daß plötzlich ein riesiges Glasauge erscheint und tief in ihre Welt eindringt.

Manchmal ging ich aber auch über die Holzbrücke und gelangte, bevor ich in die Bahnhofstraße einbog, zu einem Sonnenblumenfeld. Nicht alle Sonnenblumen sind klug. So geschieht es, daß sie schnell hoch hinaus wachsen und einen schweren Kopf bekommen. Dann fällt es dem Stiel schwer, die Last zu tragen und der Betrachter macht sich Sorgen, wie das gutgehen kann. Auch das Fotografieren bringt keine Stabilität, doch immerhin friert es den "Status Quo" ein und später, wenn die Sonnenblume sich gänzlich zur Erde neigt, gibt es den Beweis ihrer Schönheit noch in irgendeiner "Speicher-Wolke", oder vielleicht sogar in einem Foto-Buch.

Gleich neben dem Sonnenblumenfeld befindet sich der Hinterhof eines Agrarhändlers, der nebenbei einen Getränkemarkt betreibt. Und so sammelt sich in diesem Hinterhof ein buntes Gemisch aus leeren Getränkekästen, Ackergeräten und Euro-Paletten. Alles zusammen wird bewacht von einem älteren Schäferhund, der es nicht unterlassen kann, meine Anwesenheit laut bellend kundzutun. Es gibt ja viele Geschichten, über das Verhältnis von Mensch und Hund. Doch wenn es nicht der eigene Hund ist, wie soll ich mich verhalten? So standen wir uns oft gegenüber, der Schäferhund mit seinen etwas traurigen, braunen Augen und ich, der versuchte dem Hund zu erzählen, wie ich mir ein vertrautes Miteinander vorstelle.

Bald fing der Hund an, das Bein zu heben, sobald ich auf ihn zuging. Ich deutete das als "Zeichen der Unterwerfung" und so sprach ich weniger streng mit ihm. Dann unterließ er das Bellen, wenn er mich sah. Mittlerweile stecke ich meine Hand durch das eiserne Tor und streichle ihn. Ein einziges Mal brachte ich ihm einen "Snack" mit, weil es bei "Aldi" eine Menge Tüten gab, mit Hunde-Leckereien. Das war vorgestern. Auch so ein alter Kerl wie ich, der nichts davon hält, Tiere zu "vermenschlichen", wird an Weihnachten schon mal sentimental. Die nächste Zeit wird sich in meiner Jackentasche immer ein Stück Rindfleisch, oder Huhn befinden, bis die Tüte leer ist.

Auch die Stadt ist für den Fotografen sehr interessant. Gestern ging ich durch eine schmale Gasse, die rechter Hand von einer Steinmauer begrenzt wird. Dort fotografierte ich Samenkörner, die im Moos liegend von der Sonne bestrahlt wurden. Dabei hinderte ich eine Fahrradfahrerin am Vorbeifahren, denn ich stand breitbeinig und nach vorne gebeugt da. "Ach, hallo, wie geht`s?" So ist das in der Kleinstadt. Man kennt sich. Ich erinnerte mich daran, wie mich die Radfahrerin einmal, zusammen mit zwei weiteren Kumpels, aus der Wohnung geworfen hat, weil wir morgens, als sie erwachte, noch immer in der Küche saßen und "Schafkopf" spielten. Ihr Ehemann durfte natürlich bleiben, obwohl sie ziemlich sauer auf ihn war. Aber diese alte Geschichte war natürlich längst vergessen und auch das kleine "Abenteuer", in der alten Brauerei, als wir mitten in der Nacht plötzlich alleine dasaßen...

Am "Tennisweiher" streife ich gerne umher. Dort ist der beste Ort, um im Sommer Libellen zu fotografieren und dort beginnt auch die "Zwetschgen-Allee" und der Obst-Lehrpfad. Allerdings wurde der Weiher jetzt abgelassen. Zum Vorschein kam ein alter Stuhl. Der stand einfach so da, auf dem Grund des Weihers. Wer mag ihn dorthin gestellt haben? Natürlich muß ein Fotograf solche Kuriositäten mit der Kamera festhalten. Aber dann geht es weiter, das Zwielicht der Wintersonne in der Zwetschgen-Allee genießen. Es ist herrlich, im Winter "in die Sonne zu laufen". Die Gedanken schweifen ab, selbst die vor der Brust baumelnde Kamera gerät in Vergessenheit. Hier war ich jung, hier kenne ich jeden Baum. Dazu scheint die Sonne und alles ist wunderbar...

Schon wieder sind Stunden vergangen. Frische Luft in den Lungen, herrlicher Sonnenschein und bald ist Weihnachten. Ist das nicht "verrückt"? Selbst mein stilles, einfaches Leben? Mein Herz weitet sich und empfindet eine wohlige, bescheidene Freude. Alles ist gut, und es wäre ein Frevel, würde ich in die heitere Beschaulichkeit der Zwetschgen-Allee die häßliche Fratze anderer Realitäten blicken lassen.
23.12.16 10:16
 
Letzte Einträge: Ein Königreich für eine Sitzbank! ;-), Ein Strand - ein Paradies! , Einladung!, Das Leben geht weiter!


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Dorehn (23.12.16 11:54)
...ein friedliches Revue-passieren-lassen mit schönen Momenten des Jahres - das ist Weihnachten im stillen eigenem Innern - sehr schön geschrieben!
Frohe Festtage!
LG Dorehn

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