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Der Stotterer - William Somerset Maugham!



Wer sein Leben lang "stottert", für den liegt es nahe, sich auf das Schreiben zu konzentrieren. William Somerset Maugham schrieb gerne, er reiste auch gerne und er liebte Frauen ebenso wie Männer.

Maugham gehörte einer Generation an, die mich persönlich sehr interessiert. Über Alma Mahler-Werfel, die "Salon-Löwin" und damals schönste Frau Wiens, schrieb ich schon einen Beitrag. Auch sie wurde, wie Maugham, in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts geboren. Einer meiner Lieblings-Maler, Franz Marc, war Jahrgang 1880.

Damals lebten überraschend viele "Ausnahme"-Künstler unter Bedingungen, die wir heute als "erz-konservativ" bezeichnen würden. Von ihrem Aufbegehren nahm das Bürgertum erst einmal keine Notiz. Doch der "Jugend-Stil" zeigte eine sich lösende Verkrampfung. Zumindest in Künstler-Kreisen wurde es heiterer, schwungvoller.

Wir hatten in Deutschland noch eine Monarchie, an deren Spitze sogar ein Kaiser thronte. Der hätte einen schwulen Schriftsteller wie Maugham ins Gefängnis geworfen, wenn dieser so dumm gewesen wäre, sich zu "outen". Und die Bilder von Wassily Kandinsky, Gustav Klimt, Paul Klee, Oskar Kokoschka usw., die heute in den besten Museen der Welt hängen, hätte unser Kaiser Wilhelm achtlos in die Ecke gestellt.

Also die Welt war sich keineswegs einig, wohin es gehen soll. Das wird sie sich wohl auch nie werden, aber damals tat unser Kaiser viel dafür, damit diese aufkeimende, neue Kunst - hinsichtlich Musik, Malerei, Literatur, Architektur usw. - und mit ihr die ganze Welt - erst einmal "vor die Hunde geht". Es gab ja Interessen von sehr viel höherer Bedeutung und diese führten dann zum Ersten Weltkrieg.

August Macke und Franz Marc kamen aus diesem Krieg nicht mehr lebend zurück. Zwei junge Männer, die wahrscheinlich noch viel gemalt hätten. Es ist erst gut 100 Jahre her, als unser deutsches Volk jubelnd in den Krieg zog. Naja, damals konnte keiner wissen, wie das Ganze ausgeht. Heute wissen wir es besser, aber so schlau, daß die Menschheit Kriege gänzlich vermeidet, sind wir noch nicht geworden.

Daran können wir erkennen, vor der Moral kommt noch etwas Wichtigeres. Die Künstler sind es nicht. Auch wenn heute feststeht, daß William Somerset Maugham einer der meistgelesenen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ist, kennen ihn in Deutschland nur wenige. Noch trauriger sieht es mit uns Bloggern aus. Wir schreiben, denken nach, geben alles... für die wenig hoffnungsvolle Aussicht, daß etwas von uns bleibt. Ein kleines Gedicht auf einer Speicherkarte, vielleicht, oder eine interessante Darstellung des eigenen Lebens.

Wahrscheinlicher aber ist, daß eines Tages wieder ein Kaiser kommt, der mit seiner russischen Verwandtschaft Ärger hat und dann kracht es wieder... Alle Speicherkarten und Festplatten werden dann in den Hitzewellen der Atombomben dahinschmelzen und es bleibt nichts, noch nicht einmal die Erinnerung von irgend jemand an irgend etwas...

Der Philosoph und "Kirchenmann" Robert Spaemann wollte in einem interessanten Versuch den "Gottesbeweis" antreten. Dazu brauchte er die "Erinnerung". Denn wenn der Mensch einmal nicht mehr auf dieser Erde existiert, wenn sich niemand mehr an den Menschen "erinnern" kann, dann hat es den Menschen nie gegeben. Anderes Beispiel: Es hätte nie Saurier gegeben, wenn wir ihre Überreste nicht gefunden hätten. Aber der Mensch darf, nach Spaemann, nicht in der "ewigen Vergessenheit" enden und deshalb "muß" es einen Gott geben. Gott, und nur der ewig bestehende Gott, wird sich immer daran erinnern können, daß die Kreatur Mensch existiert hat und sie somit "unsterblich" machen.

Wie tröstlich, denn sonst wäre unser Leben ein sinnloses Krabbeln im Ameisenhaufen. Vielleicht waren das die Gedanken William Somerset Maughams, als er in reiferem Alter davon sprach, sein Leben hätte ihm nicht gefallen und in einem neuen Leben würde er alles anders machen. Er war reich, hatte eine luxuriöse Villa an der französischen Riviera, dazu zehn Hektar Grund und Boden. In seinen Räumen standen prächtige Möbel und an den Wänden hingen viele Bilder von heute sehr bekannten Malern. Besonders kurios mag die von Paul Gaugin in der Südsee bemalte Tür gewesen sein, die Maugham höchstpersönlich aus den Angeln hob und mit nach Hause brachte.

Der arme Stotterer, er ist seines Lebens nicht froh geworden. Sein Beispiel zeigt mir erneut, daß es im Leben jedes Einzelnen von uns vor allem darauf ankommt, welchen "Kopf wir uns machen". Wir werden dann ein gutes Leben führen, wenn wir unseren Kopf dazu bringen, unser Leben als ein "gutes" anzusehen. Es ist nicht wichtig, "was" wir tun, entscheidend ist, wie wir in der Tiefe unserer Seele das eigene Sein und Tun "bewerten"!
24.1.17 08:24
 
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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(24.1.17 11:25)
Hallo,
Interessanter Gedanke. Tatsächlich habe ich von William Somerset Maugham noch nie etwas gehört.
Andererseits: Kommt es wirklich darauf an, dass sich irgendjemand an irgendwen erinnert? Bedenke, dass am Ende so oder so alles zu Ende geht. Also auch wenn sich eine Zeit lang irgendjemand sich eine Zeit lang an einen Schriftsteller oder Maler wie Franz Marc erinnert, wird das Wissen früher oder später verloren gehen.
Die Frage ist also nicht, ob sich jemand erinnern kann, sondern viel mehr ob es darauf ankommt und ob es sich lohnt, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.


Marie / Website (24.1.17 13:40)
Ich finde Deine Gedanken sehr interessant. Was in Millionen von weiteren Jahren sein wird, werden wir nie erfahren und können es auch nur erahnen. Aber ich glaube eigentlich eher, wir wissen recht wenig. Und die Zukunft ist reine Fiktion. Ob man sich an gewisse "Größen" erinnern wird, keine Ahnung, evtl. wenn irgendetwas unzerstörbares erhalten bleibt und irgendwann gefunden wird. So wie eben, die Dinosaurier, Urmenschen .....
Ob das wichtig ist, vielleicht irgendwie schon, dass etwas dauerhaft bleibt. Ob es lohnenswert ist, sich damit auseinander zusetzen, hhmm, schwierig. Für uns selbst sicher nicht, wäre jetzt meine Einschätzung.
LG, Marie


Indianwinter (24.1.17 14:17)
Von Dir und mir wird sicherlich solange etwas bleiben, wie es jemanden gibt, der sich erinnert an uns.
Auch Schriftliches, Gemaltes, oder was auch immer, bleibt, so lange jemandem daran liegt.
So ist es im Kleinen wie im Großen und damit müssen wir uns wohl arrangieren.
Sicher gibt es dann diesen einen Menschen nicht mehr, seine Zeit als Gast dieser Welt ist um, doch die Energie, der Geist, existiert weiter, in anderer Form. Energie vergeht nicht, sie wandelt sich nur...
Dein Blogeintrag heute ist wieder sehr interessant und informativ. Sie ziehen alle an mir vorüber, die großen Namen und ihr Werke.
Marc gehört auch für mich zu meinen Favoriten. Seine Bilder sind kraftvoll und energiegeladen, so empfinde ich es.
Passenderweise hast Du uns Maugham vorgestellt, heute, denn morgen ist sein Geburtstag, habe ich gesehen.
Naja und das Stottern- zum Glück hatte ich dieses Problem nie, aber vllt. hätte Maugham sich sonst nicht so sehr auf das Schreiben konzentriert und es wären nicht diese Werke entstanden- wer weiß...
Einen schönen Tag und LG :D

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