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Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?

Vielleicht hat es noch nicht jeder bemerkt, aber es tut sich was. Die erschreckende Tatenlosigkeit nach der von der alten Regierung - welche auch die neue ist - verlorenen Bundestagswahl, scheint vorüber zu sein. Weniger bei CDU und CSU. Beide Parteien führten jetzt "Werkstatt-Gespräche" und die Vorsitzende begrüßte dazu die lieben "Sozialdemokraten", welche natürlich allesamt "Christdemokraten" waren. ;-)

Gelächter kam auf und Frau Kramp-Karrenbauer versuchte die Situation zu retten. Wäre sie in diesem Fall eine Sport-Moderatorin gewesen, dann hätte die erst kürzlich gewählte Vorsitzende gleich wieder einpacken dürfen. Wer seine Mannschaft nicht kennt und sie als "Schalke05" bezeichnet, ist für die heißblütigen Anhänger nicht mehr tragbar. Aber es waren ja Politiker im Saal, für die Falschaussagen das Tagesgeschäft sind. Übrigens... "Schalke04" gehört bei den Deutschen zu den Top 10 der am häufigsten verwendeten Computer-Passwörtern.

Anders zieht der Minister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, vom Leder. Die SPD hat sich etwas einfallen lassen. "Hartz IV" muß weg. Dieser Begriff steht für ein "Scheiß-Leben" und Gängelei durch die Behörden. Im Zentrum des "neuen Aufbruchs" steht eine satte Renten-Erhöhung für diejenigen mit den ganz kleinen Renten. Sofort bläst dem Minister der Gegenwind ins Gesicht. Es heißt, diese sozialen Wohltaten fielen ihm und der SPD doch bloß ein, weil sie die Talfahrt in der Wählergunst stoppen wollen. Klar, da ist was dran, aber es ist eben auch das Ende der Tatenlosigkeit, das Ende des "Weiter-So", welches zwingend kommen mußte.

Kaum hat das Volk die Botschaft vernommen, ist es mit großer Mehrheit bereit, sie für gut zu befinden. Sind wir uns denn nicht alle im Lande einig, daß es nicht sein darf, einer Rentnerin nach 40 Versicherungs-Jahren eine Rente zu zahlen, von der sie nicht leben kann? Doch der Minister Heil meint, nicht die Rentenversicherung müsse das zusätzliche Geld aufbringen, sondern die Allgemeinheit. Und wieder schreien die politischen Gegner auf: "Es ist kein Geld im Steuersäckel!"

Diese Aussage ist natürlich falsch. Es kommt nur darauf an, wie das vorhandene Geld verteilt wird. Und jetzt wird es interessant. Beim Staat geht es zu wie in der Kirche. Unser Pfarrer sagte oft, heute spenden wir für: "Wo am Nötigsten". Das war klug, denn auch die Hausfrau, die mit ihrem Geld kalkulieren muß, kauft das zuerst, was sie am Dringensten braucht. Diese Frage müssen wir uns alle beantworten, wenn wir überlegen, ob wir dem Renten-Plan des Sozial-Ministers zustimmen, an dem sicher noch ein wenig "gefeilt" werden muß.

Der Regierungs-Verweigerer Lindner von der FDP sprach angesichts der neuen Renten-Pläne vom "Gießkannen-Prinzip" und meinte damit, das neue Gesetz, wenn es denn käme, würde nicht nur die Bedürftigen "treffen", sondern auch viele Menschen, die eine Renten-Erhöhung gar nicht nötig haben, da sie ja vielleicht gerade fünf Millionen Euro geerbt hätten. Es sei also nötig, die Bedürftigkeit festzustellen, bevor man jemanden Geld gibt, der schon genug davon hat.

Wir wollen zugunsten des Herrn Lindner einmal annehmen, daß er dieses Beispiel mit dem Millionen-Erbe etwas vorschnell in die Kameras posaunte. Richtig ist, daß nur Menschen in den "Genuß" einer höheren Rente kommen sollen, die sich ihren Rentenanspruch erarbeitet haben. Niemand bekommt etwas "geschenkt". Und auch die Gattin eines wohlhabenden Geschäftsmannes, die ihre Rente zwar nicht zum Überleben braucht, den Anspruch darauf aber rechtmäßig erworben hat, muß in einem Rechtsstaat behandelt werden wie alle Anderen.

Der Minister Heil betont immer wieder, es ginge bei seinem neuen Gesetzes-Vorschlag um den Respekt vor den Menschen, die viele Jahre hart gearbeitet haben. Es geht um die "Lebensleistung" dieser Menschen, welche die Gesellschaft, also wir alle, anerkennen muß. Und das, ich wiederhole mich, sollte jeder und jede von uns nachvollziehen können.

Wer selbst, sagen wir einmal, drei Geschwister hat und miterlebte, wie die Mutter alle vier Kinder groß zog und durch Heimarbeit zum Familien-Einkommen beitrug, wer des Weiteren miterlebte, wie die Mutter ihre Beschäftigung als Friseuse wieder aufnahm, als das jüngste Kind "aus dem Gröbsten heraus" war, und wer dann noch miterlebte, wie die eigene Mutter einen Rentenbescheid über 400,- € für ihre "Lebensleistung" erhielt, dem könnte das Messer in der Tasche aufgehen, wenn er klugscheißende Journalisten und Politiker hört, die meinen, eine Rentenerhöhung sei nicht finanzierbar, da der Staat sehr viel wichtigere Aufgaben habe.

12.2.19 09:47
 
Letzte Einträge: Weiße Weihnacht! - Für alle frohe Weihnachten!, Prost!, Das Narren-Schiff!, Vorentscheid für Lissabon!, Eichendorff läßt grüßen!


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mirco / Website (13.2.19 03:21)
Hallo Padernosder,

Du hast die Ungerechtigkeit wunderbar auf dem Punkt gebracht. Ich weiß, dass ich in meinem Leben bislang ziemliches Glück hatte und wenn überhaupt dann auf hohem Niveau jammere. Allerdings ist mir auch durchaus bewusst, dass einiges schiefläuft in meinem Heimatland. Ich bin echt gespannt wie lange es noch dauert bis wir in Deutschland die ersten „Gelbwesten" auf der Straße haben. Ich freue mich immer deine kritischen Berichte lesen zu dürfen!

Viele Grüße aus Ningbo

Mirco


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