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Der Krieg und die Kunst!

Gestern blickte ich vom Schreibtisch auf und sah zum Fernseher. Es wurde gesagt, eine "Max-Beckmann-Ausstellung" hätte ihre Tore eröffnet. Ich spitzte die Ohren und wollte vor allem wissen - wo? Leider findet diese für mich sehr interessante Ausstellung in Hamburg statt, am anderen Ende der Republik. ;-)

Wer zum Teufel ist Max Beckmann? Ihr könnt alles über ihn "googeln", ich will euch eine andere Geschichte erzählen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es eine sehr bemerkenswerte "Blüte der Malerei". Viele junge, talentierte Maler "drängten auf den Markt" und warfen geltende Regeln über Bord. Es waren die Maler, die auch heute noch jeder kennt, die man zur "Klassischen Moderne" zählt: Picasso, Kandinsky, Kirchner, Kokoschka, Marc usw. Ihre Künstler-Vereinigungen hießen z.B. "Die Brücke" oder "Der Blaue Reiter".

Max Beckmann hingegen war ein Einzelgänger. Aber auch er war natürlich an der Umwälzung der Malerei beteiligt. Doch gerade in dem Moment, als sich die junge Maler-Garde zu neuen Ufern aufschwang, kam der "Erste Weltkrieg". Wir können uns heute nicht mehr vorstellen, mit welcher Begeisterung viele junge Männer in den Krieg zogen. Das galt auch für die "Maler". Kaum einer machte sich eine Vorstellung davon, auf dem "Schlachtfeld" tötlich getroffen liegen zu bleiben.

Der junge Max Beckmann war weitsichtiger. Er fand keinen Anlaß, den Krieg zu verherrlichen und versuchte, "eine ruhige Kugel zu schieben", was ihm auch gelang. Sein Kollege Pablo Picasso kam auch zur Einsicht und malte 1937 - während des spanischen Bürgerkriegs - sein berühmtes Anti-Kriegs-Bild "Guernica".

Doch wer sich die Bilder von Max Beckmann ansieht, der braucht starke Nerven. Blut und Gewalt werden ebenso gezeigt wie erschreckende Selbstbildnisse. Speziell die Nachkriegs-Generation, z.B. mein Vater, hätten derartige Darstellungen niemals als "Kunst" bezeichnet. Ich hingegen finde, Bilder von Max Beckmann sind sehr gut dazu geeignet, über "Kunst" zu diskutieren.

Die Frage, was "Kunst" darf, und was nicht, paßt sehr gut zu den heutigen Auseinandersetzungen hinsichtlich der staatlichen Beschneidung von Menschenrechten. Die grundsätzliche Freiheit des Menschen endet angeblich da, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Somit wäre die eigene Freiheit in der Herstellung von "Kunst" eine grenzenlose, denn sie beschneidet niemals andere Künstler in ihrem Tun.

Ich meine, jeder der beim Betrachten von "Kunst" äußert: "Das geht doch nicht", muß sich den Vorwurf gefallen lassen, er würde seine eigene Meinung zu einer allgemein gültigen Regel erheben. Und das geht auf gar keinen Fall! ;-)

26.9.20 09:28
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


"Rex-Mama" (26.9.20 12:12)
Max Beckmann, oh ja, ich durfte mich mal während einer ganzen langen Klausur mit einem seiner Selbstbildnisse beschäftigen und meine mich zu erinnern, dass dies mit einer 2+ honoriert wurde. :-)

Über das Betrachten von Kunst habe ich übrigens schon so einige Geschichten geschrieben, weil es mich immer wieder fasziniert, was so alles unter dem Namen "Kunst" Käufer findet. ;-)

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