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Die größere Hälfte?

Wer würde nicht übers Wetter reden wollen, wenn er gegen Mitternacht das Fenster öffnet und jene "weiße Pracht" entdeckt, die er Anfang April einfach nicht mehr haben will? Ich jedoch lebe inzwischen alleine und hüte mich, mit meinen Wänden in den "Dialog" zu treten. Also zügle ich mein Temperament, schlafe aus und schreibe dann ein paar Zeilen in meinem Blog.

Es ist schrecklich, gerade dann keinen Menschen um sich zu haben, wenn man dringend reden will. Die "Notfall-Seelsorge" anrufen? Wenn ich zu nachtschlafender Zeit erkläre, ich hätte ein Problem mit einem "Einbruch", und zwar dem des Winters, dann legen die gleich wieder auf und schicken den Notarzt.

Nein, ich bin ja immer entspannt und liebe das Überraschende. Nur meine Foto-Tour von vorgestern hätte ich heute gerne wiederholt. Einfach schade. Der Oster-Sonntag war ein herrlicher Tag. Vieles dessen, was ich fotografierte, kam gar nicht in die "Blog-Auswahl".

Habt ihr es bemerkt, wie elegant ich den "Genitiv" benutzte? ;-) Da muß ich hinterher Eiswürfel lutschen, um den Zungenschmerz zu lindern. Aber gutes Deutsch ist schon wichtig und wie man weiß, ist der "Dativ" der Tod des "Genitiv(s)". Einige hätten an meiner Stelle sicher "viel von dem" geschrieben und nicht "vieles dessen", nicht wahr? ;-)

Okay, ich gebe es zu. Mit mir will keiner reden. Ich sei ein Besserwisser, ein chronischer Nörgler, der niemals "fünf" gerade sein läßt. Was soll ich machen? Fürs Abitur hat es bei mir nicht gereicht, aber in der Realschule hing ich an den Lippen des Mathelehrers wie eine Motte an der Glühbirne. Er trichterte mir ein, ich solle Äpfel nicht mit Birnen vergleichen und es gäbe keine unterschiedlichen "Hälften".

Wenn meine Mutter eine Scheibe Brot teilte und meinte, ich solle mit der kleineren Hälfte zufrieden sein, weil ich doch, im Vergleich zu meinem Bruder, der um 14 Monate Jüngere sei, bekam ich einen innerlichen Wutanfall. Immer mußte ich zurückstecken. Aber vor allem regte mich der mathematische "Fauxpas" auf, der meiner Mutter, ich sage es unumwunden, scheiß egal war.

Meine Eltern, vor allem mein Vater, hatten keine Ahnung davon, wie gut ich im Rechnen war. Deshalb wurde mir schon früh klar, daß Kinder klüger sein können als ihre Eltern. Auf dem zehnminütigen Fußweg zur Schule lernte ich zwei Verse aus dem "Gesangbuch". Das hätte mein Vater nie geschafft. Der konnte vielleicht Mähdrescher und Bulldogs reparieren, auch Feldhasen, Rehböcke und Wildschweine erschießen, aber seine Bücher in der Schrankwand waren rar und ungelesen.

Ein derart heller Kopf wie ich steht also nachts am Fenster, sieht die Sterne am Himmel funkeln, spürt die kalte Luft auf seiner nackten Haut und kann nicht reden! Dafür zieht er gierig an seiner letzten Zigarette des Tages und schließt das Fenster wieder, weil er nicht einsieht, warum er kurz vor dem Zubettgehen wieder hellwach werden sollte.

Also, um langsam zum Schluß zu kommen, das mit dem Reden war schon in der Grundschule mein Problem. Ich war schüchtern und hob nie meinen Finger. Nach eineinhalb Jahren Schulunterricht tat ich es das erste Mal und wurde natürlich sofort "drangenommen". Es ging darum, was wir über "Peter und Paul" wissen, einem katholischen Festtag. Ich sagte ganz stolz (als Siebenjähriger in der zweiten Klasse der Volksschule), weil ich es von meiner Mutter hörte: "Peter und Paul hauen einander aufs Maul!"

Die Lehrerin sah mich entsetzt an und ich wußte sofort, warum es besser ist, in der Schule das besagte "Maul" zu halten. Im Ergebnis dauerte es wieder ein Jahr, bis ich mich ein zweites Mal meldete. Aber, muß ich es erwähnen, bei Rechenaufgaben ging ich stets als Erster zur Lehrerin vor, um mir bestätigen zu lassen, schnell und richtig gerechnet zu haben.

Wiegesagt, meine Eltern wußten von meinen Mathe-Künsten nichts. Es ist eben fürs ganze Leben nachteilig, wenn man nicht miteinander reden kann. So kam es auch, daß mein älterer Bruder erst dann zur Realschule durfte, als ich dorthin wechselte. Mit dem Ergebnis, wir saßen vier Jahre in der gleichen Klasse. Und das ist selbstredend ein Horror, immer damit rechnen zu müssen, der Bruder würde zuhause doch das Reden anfangen. ;-)

Aber, und selten war ich stolzer auf mich, in der allerersten Matheschulaufgabe schrieb ich als Einziger eine "Eins". Mir ist ganz schwindlig geworden vor Glück und natürlich erzählte ich zuhause, daß ich besser war als jener Bruder, der immer die "größere Hälfte" bekam. ;-)

6.4.21 08:27
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sparköchin (6.4.21 15:34)
Genau die richtige Geschichte für mich. Alles drin, was ich gern lese ... wobei: natürlich mit Sympathie für dich, wenn du zurückstecken musstest.
Spielst du auf das Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" an? Ha, und ich lernte als Schulkind noch, dass der zweite Fall Genetiv heißt. So ändern sich die Zeiten.
Gutes Deutsch ist ein Genuss!


"Rex-Mama" (6.4.21 16:46)
Da schließe mich an, hab's auch sehr gerne gelesen und staune so vor mich hin wegen des Genetivs. ;-)
Übrigens kenne ich das Gefühl auch sehr gut, wenn da grad niemand ist, mit dem man etwas teilen kann, womit ich nun weniger Brothälften meine als vielmehr Emfpindungen, sei es nun Entsetzen über einen Winterausbruch im Frühling oder auch die Freude, wenn man etwas Schönes sieht oder hört.
Manchmal isses einfach doof, wenn man solche Gedanken einfach nur allein vor sich hin denken kann - wie gut, dass wir unsere Blogs haben, um so etwas dann doch noch loswerden zu können. ;-))

Und ... besser eine Eins in Mathe und eine gute Mittlere Reife als ein mit Ach und Krach bestandenes Abitur, oder? ;-)


HS (7.4.21 11:22)
Hallo Padernosder,
ich blieb an deiner Erkenntnis hängen, warum es besser ist, das "Maul" zu halten...

Woher ich mein Wissen hatte, weiß ich gar nicht mehr. Jedenfalls tat ich selbiges an der sonntäglichen Kaffeetafel kund und kassierte dafür von meinem Vater ein beifälliges Nicken und von meiner Mutter eine saftige Maulschelle.

Ich war so stolz, dass ich den Unterschied zwischen Bruder und Halbbruder wusste, dass ich - sonst wirklich schüchtern - das Wort ergriff und auf meinen 11 Monate älteren Bruder zeigte: "Der H. ist mein Bruder", und auf meinen 12 Jahre älteren Bruder und erklärte: "Der S. ist gar nicht mein echter Bruder, der ist nur mein HALBbruder." Naja, statt Lob der Mutter o.g. Reaktion....

Danke für deine Geschichte!


padernosder (7.4.21 13:09)
Hallo,

danke euch Dreien für eure "Zustimmung".

Eine heitere Geschichte mit "leichtem Tiefgang", bei dem jeder etwas für sich finden kann - die schreibe ich gerne! ;-)

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