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Die Spelunke!

Der Burgherr entschloß sich ohne weitere Umstände, Pippin und Karl in die näheren Einzelheiten seiner Familien-Tragödie einzuweihen. Die beiden Freunde waren die richtigen Männer, um seine Tochter wiederzufinden. Den Tod seiner Frau mußte er allerdings ganz alleine bewältigen, was ihm überaus schwer fiel.

Karl spürte, wie "gelähmt" der alte Herr war. Es wunderte ihn, warum dieser nicht schon längst etwas unternommen hatte? Die Entführer hatten den mächtigsten Mann dieser Gegend an seiner empfindlichsten Stelle getroffen. Aus purer Angst, er könnte seiner Tochter schaden, wenn er die Räuber verfolgen würde, verharrte er in Tatenlosigkeit.

Nun sollten zwei harmlos wirkende Männer aus dem Volk sein Glück wiederherstellen. Niemand sollte wissen, welchen Auftrag Karl und Pippin hatten. Hier, in dieser aufstrebenden Stadt, waren sie unbekannt und das sollte so bleiben. Die Stadt wurde verwaltet von einem Vertrauten des Burgherrn, der in dessen Auftrag für Gesetz und Ordnung sorgte.

Dieser Vertraute übte noch kein offizielles Amt aus. In späteren Zeiten würde er ein "Schultheiß" sein, so eine Art Bürgermeister. Er war der Ansprechpartner für unsere beiden Freunde und nannte sich Chlodwig, weil er den alten Namen aus der Merowingerzeit mochte und Chlodwig I. einmal ein berühmter fränkischer König war.

Viele Jahre später herrschte lange Zeit ein noch berühmterer König, Karl der Große, der sogar zum Kaiser gekrönt wurde. Auch der hatte natürlich Söhne, die unter anderem Karl und Pippin hießen. Sehr wahrscheinlich waren unsere beiden Vagabunden mit dem Kaiser Karl irgendwie verwandt, aber das war zu dieser Zeit nicht so einfach festzustellen. Der große Karl war vier oder fünf mal verheiratet, ständig zwecks Kriegsführung unterwegs und eheliche Treue verlangte niemand von ihm.

In der Stadt waren die größten Ganoven natürlich bekannt. Es kamen nur wenige "Banden" in Frage, die den Schneid und die Fähigkeiten hatten, die Tochter des Burgherrn zu entführen. Wenn man damals etwas in Erfahrung bringen wollte, dann in den einschlägigen Spelunken.

Noch am Abend des Ringkampfs flog die Tür einer übelriechenden Weinschenke auf und herein torkelten zwei völlig betrunkene Vagabunden, die sich lachend und grölend im Arm hielten und sich gegenseitig stützten.
"Hei, Wirt, Du alter Hurensohn, gib uns Wein!" Eine solche Anrede war der Wirt zwar gewohnt, doch Fremde durften sich das nicht erlauben. Er stürzte auf die beiden zerlumpten Kerle zu, packte sie am Kragen und wollte sie rücklings hinauswerfen.

Da zog einer der beiden ein Goldstück hervor, hielt es hoch und dann dem Wirt unter die Nase. "Wir haben genug Geld, Du Weinpanscher, los, her mit dem Wein!" Der Wirt kapierte sofort, schnappte sich das Goldstück und half den Saufbrüdern zu einem freien Platz.

Ein solches "Zahlungsmittel" war recht ungewöhnlich in dieser heruntergekommenen Kneipe. Und so bemerkte, wie es Karl und Pippin auch beabsichtigten, jeder der Anwesenden, womit sie ihren Wein bezahlten. Der Wirt hoffte, die Betrunkenen würden vielleicht nicht wissen, welchen Gegenwert so ein Goldstück hat und tischte alles auf, was Küche und Keller hergaben.

Karl und Pippin gaben sich volltrunken. Dazu reichte ihr schauspielerisches Talent alle mal. Doch in Wirklichkeit beobachteten sie genau, was sich an den Tischen und Bänken abspielte. Es dauerte auch nicht lange, da verließ ein Gast wort- und grußlos die Spelunke durch einen Hinterausgang, nicht ohne vorher noch einen verstohlenen Blick auf die beiden Zecher geworfen zu haben.

Etwas später stand ein weiterer Mann vom gleichen Tisch auf und näherte sich mit einem breiten Grinsen unseren Freunden. "Laßt es euch schmecken, Fremde, wohin des Wegs?" Pippin packte ihn gleich am Arm, zog ihn auf die Sitzbank nieder und grölte: "Trink mit uns, solange Du noch was reinkriegst. Bei Deiner Frau schaffst Du es sowieso nicht mehr!" Dabei lachte er schallend und tat so, als hätte er eben den besten Witz seines Lebens erzählt.

"Du willst wissen wohin wir gehen?" Pippin deutete seinem Gesprächspartner an, er hätte ihm etwas Wichtiges zu sagen und könne es ihm aber nur ins Ohr flüstern: "Wir gehen wieder zurück zu unserer Goldmine." Dann sah er seinem Gegenüber bedeutungsvoll in die Augen und legte seinen Finger an die Lippen.

Doch der Kerl ließ sich nicht einschüchtern und lachte lauthals los: "Ihr zwei zerlumpten Kerle und eine Goldmine? Du hast wohl Dein Hirn schon völlig versoffen!" Diese wenig humorvolle Vermutung nahm Pippin zum Anlaß, eine zünftige Kneipenschlägerei auszulösen. Sein Gesprächspartner flog in die übernächste Reihe und stand so schnell nicht wieder auf. Dafür rückten nun die Saufkumpane des eben Geflogenen an…

Karl überlegte, ob er das "Problem" als alleinige Angelegenheit Pippins betrachten, oder sich vielleicht doch ein wenig Bewegung verschaffen sollte. Er entschied sich für Letzteres, was zur Folge hatte, das Geräusche von splitterndem Holz und brechenden Knochen im schnellen Wechsel zu hören waren.

Der Wirt verharrte mit entgeistertem Blick und dachte, ein Tsunami hätte soeben in kürzester Zeit seine Kneipe ruiniert. Karl tätschelte seine Wange und meinte, das Goldstück reiche aus, um neues Inventar zu beschaffen. Dann gingen unsere Freunde… ein ganzes Stück aufrechter, als sie gekommen waren.

Dies war die gelungene Umsetzung des ersten Punktes eines genau ausgeklügelten Plans: "Interesse wecken!"

Soviel für heute!
3.4.16 01:48
 
Letzte Einträge: In letzter Sekunde!, Der König der Nacht - und der Lüfte!, Am Rande des Weges!, Die im Schatten sieht man nicht!, Mitten im Wald!


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Indianwinter (3.4.16 12:32)
Hallo,
Deine Geschichte scheint was für die Jungs hier zu werden. Rauferei, Kämpfe und die Schöne wahrscheinlich, laut Deines gestrigen Eintrags bei mir, schon gemeuchelt. Keine Romantik.
Toll!
Aber es gibt ja zum Glück noch Deine Fotos. Ich habe nachgesehen, was Mahonie ist, es gibt auch Wein davon, vielleicht trinkst Du mal ein Schlückchen, oder zwei.
Es ist immer wieder schön, wie gut man die Details der Tiere und Blüten erkennen kann, ich hoffe, die Magnolie blüht bald.
Wenn ich darf, pflücke ich ein, zwei Gänseblümchen, sie sind so schön errötet.
Friedliche Grüße, Indianwinter

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