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Bei Freunden...

Gestern besuchte ich meine Freunde in Weimar. Johann fand ich außerordentlich frohgelaunt vor. Friedrich hingegen schwächelte ein wenig. Er scheint ernstlich krank zu sein. Wieder einmal bedauerte ich, die Errungenschaften meiner Zeit nicht für Friedrich nutzen zu können.

Zu meiner großen Freude taute er aber im Laufe des Abends noch etwas auf und wir verlebten wieder sehr vergnügliche Stunden. Christiane briet mit Hilfe ein paar weniger Dienstboten einen stattlichen Fasan, hielt sich aber ansonsten im Hintergrund. Johann will nicht darauf angesprochen werden, warum er seine Ehefrau in Gesellschaft immer ein wenig versteckt…, und mit einem Goethe streitet man nicht um persönliche Dinge.

Für ausreichende und leckere Getränke sorgte wie immer ich. Es gab Anfang des 19. Jahrhunderts schon Champagner, doch nicht von der Qualität, die ich besorgen kann. Wir stießen auf unser Wiedersehen an und dann war Johann nicht mehr zu halten…

"Dieser Napoleon, das ist ein wunderbarer Kerl…", fing er an zu erzählen, und berichtete weiter, der Kaiser der Franzosen hätte mit Genuß seinen "Werther" gelesen und ihn auch sehr gelobt. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle sagen, Johann mag eigentlich nichts lieber als ein gut fundiertes und ebenso formuliertes Lob für sein schriftstellerisches Werk. Als Minister ist er da weniger eitel.

Am besten, ich erzähle die Geschichte mit meinen Worten. Johann wurde also von Kaiser Napoleon zu einer Privataudienz empfangen. Das war in Erfurt, wenn ich es richtig behalten habe und kurz darauf begegneten sich die beiden noch einmal hier in Weimar.

Mein Freund Johann ist jetzt Ritter der Ehrenlegion. Doch nicht nur das, denn vom russischen Zaren, der auch bei einem dieser Treffen dabei war, erhielt er den Annenorden. Als uns Johann beide Auszeichnungen stolz präsentierte, standen Friedrich und ich spaßhalber auf und salutierten etwas unbeholfen. Umso mehr mußten wir alle drei lachen. Zum Glück war Napoleon gerade nicht anwesend.

"Ritter der Ehrenlegion", das ist eine Erfindung Napoleons, ein Verdienstorden sehr hohen Ranges. Doch sein Träger fällt nicht weiter auf, denn im Falle Johanns sieht man nur ein kleines rotes Band im Knopfloch. Hingegen der Annenorden gleicht einem Sheriffstern und macht ordentlich was her. Da sitzt er also, der eitle Pfau, mit seinem Orden an der Brust und erzählt uns von Sachen, zu denen, ich zumindest, niemals eingeladen werde.

Das Gute an meiner Situation ist, immer ein Gefühl der Überlegenheit zu haben, denn ich kann diese Zeit ohne elektrischen Strom und Klospülung wieder verlassen. Und ich kann meinen beiden Freunden jederzeit Dinge auftischen, bei denen ihnen Hören und Sehen vergeht. Nur, sie wissen ja gar nicht, daß ich da bin…

Was hätten Friedrich und Johann wohl für Sachen geschrieben, wenn sie hin und wieder von einem Menschen aus der Zukunft besucht worden wären, der ihnen erzählt, Deutschland ist nicht in kleine Herzogtümer aufgeteilt, sondern ein großes, einiges Land, eine Demokratie, in der das Volk regiert?

Also Johann hätte einen Schrecken bekommen. Er mag es nicht, wenn die Ungebildeten das Sagen haben. Schon bei der Französischen Revolution meinte er, so gut sei das nicht, wenn plötzlich alle Regeln außer Kraft gesetzt werden und der Mann von der Straße bestimmt, was gemacht wird.

Er hat ja irgendwie recht, aber auch nicht jeder Herzog hat das Wohl seiner Untertanen im Auge und wie man jetzt sieht, die Franzosen stehen in Weimar und wollen Quartier beziehen. Auch bei Johann sind sie grölend eingefallen und zum Glück hat Christiane keine Angst vor den Kerlen gezeigt, sonst wäre Johann heute vielleicht gar nicht mehr am Leben.

Ja, ja, seine Ehefrau, die er immer vor uns versteckt, die ist wohl doch ein ganz besonderer Schatz. Als diese Kultur-Queen, ich meine die Charlotte von Stein, unserem Johann unmißverständlich erklärte, die "bürgerliche" Christiane wäre kein Umgang für ihn, da hat er der hochgeistigen Liebesbeziehung zur Freifrau von Stein, die beide durch ungezählte Briefe "untermauert" hatten, abgeschworen und Christiane endlich geheiratet.

Seitdem macht die beleidigte Charlotte immer einen Bogen um das "Haus am Frauenplan", in welchem Johann mit Christiane wohnt.

Nun sitze ich also wieder zuhause und erzähle euch von diesem schönen Abend, denn ihr wollt ja vielleicht den Schiller und den Goethe auch mal ein wenig aus der Nähe kennenlernen. Feine Burschen, sage ich euch und ich werde es immer wieder sagen: Gerade der Johann, der oft als arroganter Schnösel hingestellt wird, hat das Herz auf dem rechten Fleck!

So viel für heute!
19.4.16 01:04
 
Letzte Einträge: Eichendorff läßt grüßen!, Zeiten ändern sich!, Darf der denn das? , Können Tiere sprechen?, In eigener Sache - Teil 2


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


lebenslabyrinth (22.4.16 22:08)
...immer wieder schön, so blühende Fantasie zu erleben/zu lesen! LG Dorehn

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