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Es ist nie vorbei!

Nun ist sie zu Ende, die Fußball-Europameisterschaft, für eine der erfolgreichsten Fußball-Nationen auf diesem Globus...

Vor vielen Jahren, als ich die Schule wechselte, das Abenteuer Realschule einging, obwohl meine Eltern kaum das Schulgeld berappen konnten und mein Lehrer sagte, dort wirst Du in jedem Fach zwei Noten schlechter sein, saß mein Freund Hans neben mir. Eben jener Hans, der mir heute einen neuen Kopf auf meine alte Satelliten-Schüssel schraubte.

Hoffentlich verlieren die Deutschen, sagte er, sonst müßte er am Sonntag, wenn in unserem kleinen Städtchen das "legendäre" deutsch-italienische Weinfest gefeiert wird, eine Großleinwand aufbauen. Er sprach schon immer sehr schnell, das hat er nie abgelegt, aber er grinst dabei und ich weiß, so ganz ernst meint er das nicht.

In der Schule saß er neben mir, weil ich ihn im Krankenhaus besuchte. Vielleicht hatte er eine Blinddarm-Entzündung, ich weiß es nicht mehr. Aber da ich der einzige Mitschüler war, der ihn besuchte, damals noch in der Volksschule, erlaubte seine Mutter, daß ich zu seinem Geburtstag kommen und in der Schule neben ihm sitzen durfte.

Hans wußte ebenso wie ich, das die Rollen ganz anders verteilt waren. Er war froh, neben mir sitzen zu können. Ich war der Starke, der Mutige, während Hans selbst mit zwölf Jahren noch nicht alleine in den Wald durfte. Das war für mich nie ein Thema. Mit zehn Jahren kannte ich den nahen Wald in- und auswendig. Mein Vater war Jäger und ich hätte mir als Zwölfjähriger gerne den Waldläufer-Ausweis besorgt, aber die eine D-Mark dafür hatte ich nicht.

Vier Jahre ging ich zur Realschule und vier Jahre ging ich jeden Schultag durch ein kleines Gäßchen, um genau an dem Elektro-Fachgeschäft herauszukommen, welches Hansens Eltern betrieben. Im ersten Stock brannte vier Jahre lang an einem Fenster das Licht, hinter dem ich Hans mit seiner Großmutter sehen konnte, die ihm mit dem Kamm noch einmal durchs Haar fuhr, bevor er zu mir herunter kam.

Die Großmutter hatte die Angewohnheit, den Kamm in Zuckerwasser zu tauchen. Hansens Scheitel war exakt und alle Haare klebten am Kopf. Er lächelte damals schon so, wie er auch heute lächelte, als er mir von der Leinwand erzählte. Später hörte ich, seine Großmutter wäre an einem elektrischen Schlag gestorben, als sie die Nachttischlampe reparieren wollte, aber das war vielleicht nur dummes Gerede. Mir fiel an der Großmutter auf, daß sie ziemlich häßlich war, und das nicht nur, weil eine Seite ihrer Unterlippe herunter hing.

Hansens Mutter sprach immer sehr laut und irgendwie aufgeregt. Als sie einmal bei uns zuhause darüber klagte, Hans würde seine Hausaufgabe nicht hinbekommen, welche darin bestand, aus Laubblättern ein Tier zu formen und dieses auf ein Blatt Papier zu kleben, dröhnten allen meinen Familienmitgliedern die Ohren und wir hatten das Gefühl, ein Wirbelwind hätte uns gerade heimgesucht. Natürlich sagte ich zu, in den Wald zu gehen, die Blätter zu holen und sie auch eigenhändig festzukleben, damit Hans in der Schule keine Schwierigkeiten bekäme.

Wirkliche Schwierigkeiten bekam Hans dann später, als er versuchte, sein Leben in die Hand zu nehmen. Er übernahm das Elektrofach-Geschäft seiner Eltern, suchte und fand eine Frau, doch diese war Mutter und Großmutter wohl nicht gewachsen und dann sprach das kleine Städtchen tagelang von dem Selbstmord, welchen Hansens Frau beging. Zu der Zeit sah ich ihn einmal - eher zufällig - von Weitem an mir vorüber laufen. Ich war mir sicher, er hatte wieder dieses Lächeln im Gesicht…

Wahrscheinlich hat jeder der sechstausend Einwohner unserer Gemeinde schon einmal geschäftlich mit Hans zu tun gehabt. Er ist bekannt dafür, immer zu kommen, wenn der Fernseher mal nicht so läuft, wie er laufen sollte. Er hat keine abgekauten Fingernägel mehr, so wie früher und er gibt jedem das Gefühl, wichtig zu sein. Als ich vor Kurzem mein Leben änderte, mir einen neuen Fernseher, eine neue Kamera und einen neuen PC zulegte, nutzte ich die Vorteile des Internets. Nur den Fernseher, den holte ich mir bei Hans, obwohl er dort hundert Euro teurer war, als im Netz.

Dafür habe ich das Lächeln meines alten Freundes bekommen, der genau weiß, seine Freundschaft ist mir etwas wert, und seien es nur hundert Euro.
8.7.16 00:44
 


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