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Sie werden es nicht für möglich halten...

Samstag nachmittag, in den fränkischen Gemeinden wird das Auto gewaschen und die Straße gekehrt. Das ist jeden Samstag so. Ein Fremder, der übers Land fährt, kann an diesen Tätigkeiten erkennen, welchen Wochentag wir haben. Aus den Radios der zu waschenden Autos hört man Torjubel. "Heute im Stadion" läuft in sieben von zehn Pkw´s, die langsam anfangen zu blitzen und zu blanken.

Innerhalb der Häuser geht es den Kindern wie den Autos vor der Tür. Der Dreck einer Woche wird abgewaschen. Dazu werden die Kinder in eine blecherne Wanne gesteckt und nacheinander "durchgezogen". Mir war wichtig, vor meiner jüngeren Schwester ins Wasser zu kommen. Bei Mädchen weiß man ja nie, was die im Wasser hinterlassen. Und außerdem war sie die "Kleine". Für Kinder ist eine gewisse Hierarchie wichtig im Leben. Sie müssen ihren Platz finden und diesen notfalls verteidigen. Ehrensache, und es wäre ja noch schöner, wenn mir die kleine Schwester vorgezogen würde!

Anders ist es da mit dem Wellensittich. Immer wenn heißes Wasser nachgegossen wurde, fing er an zu zetern, weil er durch den aufsteigenden Dampf nichts mehr sah. Hatte er freien Blick auf die nackten Kinder, saß er ganz vorne im Käfig und blickte neugierig auf die Badeszene. Wir haben viel überlegt, warum ihm der samstägliche Badevorgang so wichtig war.

Einmal haben wir ihn dann genommen und selbst ins Wasser gesteckt. Seitdem schmollte er mit uns und hat nie wieder geredet. Ein paar Wochen später war er verschwunden. Alles Suchen half nichts. Wir dachten, er hätte sich seine Freiheit genommen, weil die kleine Schwester - wer sonst - vergaß, die Tür seines Käfigs richtig zu verschließen. Doch dann, es mag ein Jahr seit seines Verschwindens vorüber gegangen sein, fanden wir seine traurigen Überreste hinter dem Kühlschrank. Alle Kinder schworen mit ehrlich und treu blickenden Augen, nicht zu wissen, wie unser Wellensittich hinter den Kühlschrank kam.

Wahrscheinlich war es ein Suizid, eine Kurzschlußhandlung. Der Wellensittich kam als letzter ins Wasser, nach meiner kleinen Schwester, und das ist zuviel für ein ausgewachsenes Vogel-Männchen. Vielleicht hat er auch gedacht, wir wollen ihm nach dem heißen Bad die Federn ausrupfen, und dann müßte er sein Leben lang nackt ihm Käfig sitzen und jeder könnte ihn anstarren. Die Psyche eines Wellensittichs ist schwer zu ergründen. Jedenfalls kam kein Vogel mehr ins Haus und an den Samstagen regte sich niemand mehr auf, wenn heißes Wasser nachgegossen wurde.

In unserem Haushalt lebten zwei Eltern, vier Kinder, ein Wellensittich und ein Jagdhund. Nachdem der Wellensittich das Zeitliche segnete, waren wir also nur noch zu siebt. An Samstagen lag der Hund meist auf seiner Matte vor der Wohnungstür. Dort lag er eigentlich immer, wenn er nicht im Einsatz war. Das änderte sich, als ein Hund die Wohnzimmer der deutschen Fernsehgemeinde eroberte: "Lassie"!

Dieser Fernsehhund war viel klüger als unser Jagdhund, obwohl dieser seinen Job durchaus gut erledigte. Und er faszinierte unsere "Diana" derart, daß sie immer ins Wohnzimmer kam, wenn "Lassie" im Fernsehen lief. Mein Vater hätte das nicht erlaubt, aber der war meist nicht da. Uns Kindern war es egal, ob Diana als verweichlichter Jagdhund in Wald und Flur nicht mehr zurecht kam. Schließlich waren wir nicht dabei, wenn unser Vater von seinem Hund erwartete, daß er die "Schweißfährte" des angeschossenen Rehwilds aufnahm und verfolgte.

Diana kam also regelmäßig, sobald die Titelmelodie von "Lassie" ertönte, ins Wohnzimmer gelaufen und legte sich immer auf den gleichen Platz vor dem Fernseher. Die Filme liefen noch in "Schwarzweiß", was allerdings kein Problem ist, solange man Farbfernsehen nicht kennt. Ich weiß nicht, ob unser Hund auch manchmal Tränen der Rührung in den Augen stehen hatte, sicher ist jedoch, daß sich Diana einiges von Lassie "abschaute".

Als ich einmal vor der schweren Haustür stand und keine Hand frei hatte, kam Diana angelaufen, drückte mit ihrer Pfote die Türklinke herunter und ich konnte mit der Schulter die Haustür öffnen. Und so überraschte sie uns immer wieder. Schließlich konnte ich mit ihr reden und hatte den Eindruck, sie verstand alles, was ich zu ihr sagte.

Auch im Wald muß sie immer besser geworden sein. Mein Vater war derart beeindruckt, daß er davon absah, Diana, als diese nicht mehr so konnte wie sie wollte, zu erschießen und im Wald zu vergraben. An ihrem Todestag hatte er sogar eine Träne im Auge, was ich an meinem Vater vorher und nachher nicht wieder sah.

So hatten es nicht alle Tiere schlecht bei uns, wie man nach dem Freitod des Wellensittichs vielleicht meinen könnte. Nach unserer Diana kamen noch weitere Jagdhunde. Sie hießen alle Diana, aber keine der folgenden war so schlau wie unsere erste Diana. Fernsehen bildet, das soll keiner bestreiten. Es bildet sogar Hunde, während das Kinderbaden eine sehr viel gefährlichere Angelegenheit ist!
22.7.16 09:36
 


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