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Der Belzermärdl!

Nur noch wenige Tage, dann beginnt die fünfte Jahreszeit. Die Narren dieser Welt lieben den St.-Martins-Tag. Am 11.11. um 11.11 Uhr geht es los, endlich!

Die fränkischen Kinder wissen nichts von all dem. Aber auch sie freuen sich auf den Martinstag. In die Freude mischt sich eine meist wohl begründete Verunsicherung. Wird er kommen? Wird er böse sein? Der "Pelzmärtel" ist nichts anderes als der "evangelische Nikolaus". Und die nordbayrische Gegend um Nürnberg herum ist "evangelisch". Zudem dafür bekannt, daß die Menschen in dieser Region unfähig sind, gutes Deutsch zu sprechen. Deshalb kommt am Martinstag der "Belzermärdl" zu den Kindern, sofern ihn die Eltern rechtzeitig "bestellten".

Während es für mich - schon als Kind - selbstverständlich war, einer anrückenden Gefahr tapfer ins Auge zu blicken, war mein kleiner Bruder "von anderer Art". Bei einer Hausschlachtung, oder am Abend des 11.11., spuckte er zunächst große Töne und gab sich mutig bis verwegen. Kam aber dann das Schwein bzw. der Belzermärdl in Sichtweite, verschwand er, ohne sich seiner Feigheit auch nur andeutungsweise zu schämen, sofort unter dem Tisch. Derart verängstigt erkannte er den älteren Bruder nicht, der sich als Belzermärdl verkleidet dennoch größte Mühe gab, seine Stimme tief genug zu halten, damit ihn der jüngere Bruder, für den der ganze Zirkus veranstaltet wurde, nicht doch noch im letzten Moment erkennen würde.

In der "guten alten Zeit" war es eben so: Erst kam die Androhung von Gewalt, dann gab es ein "Zuckerchen". Mutige Kinder wie ich, denen auch das Lügen nicht fremd war, beantworteten die Frage des Belzermärdls, ob sie im Laufe des Jahres auch immer brav gewesen seien, mit einem klaren "Ja" und wußten, damit sind mögliche Rutenschläge nicht mehr zu befürchten. Denn das Vertrauen in die Eltern war ebenso groß wie die Hoffnung, daß auch diese zur Lüge fähig sind. Natürlich würde sich der Belzermärdl bei den Eltern rückversichern, ob der Kleine da eben auch die Wahrheit sprach.

Selbst mein Vater, der mir das Jahr über oft genug "in den Rücken fiel", verzichtete am Martinstag darauf, mir zusätzliche Prügel angedeihen zu lassen. Der Sack des Belzermärdls war nie sehr schwer. Letzten Endes zog er ein paar Nüsse heraus, vielleicht auch mal eine Tafel Schokolade. Aber das war auch nicht wichtig. Denn in Erinnerung blieb mir vor allem mein kleiner Bruder, dessen Angst es uns wert war, ein kleines Schauspiel aufzuführen.

Manche Dinge bleiben, wie sie sind. Auch fünfzig Jahre später denke ich manchmal, ich müßte dem jüngeren Bruder etwas Gutes tun und so hat er gestern, am Sonntag, von mir eine Nudelsuppe und paar fränkische Bratwürste mit Kartoffelsalat gereicht bekommen. Die Woche zuvor reparierte ich seine Heizung, damit er es im Winter schön warm hat. Und selbstverständlich bringt er einmal in der Woche seine Schmutzwäsche vorbei... Wohl dem, der einen älteren Bruder hat, auch wenn der manchmal so tut, als wäre er die strafende Gerechtigkeit. ;-)
7.11.16 09:25
 


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