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Von Rotem und Weißem!

Seit Jahren gibt es in unserem kleinen Städtchen - immer freitags - einen Wochenmarkt. Dort gibt es für jeden etwas, doch nur Produkte aus der Region: Käse, Honig, Bier, Wein, Würste, Streußelkuchen und weitere Leckereien.

Über die vielen Jahre vergaß unser beschaulicher Wochenmarkt - sich zu entwickeln. Er wollte einfach nicht wachsen. Nun hat man ihn ein wenig mehr ins Rampenlicht gezerrt. Direkt vor die Stadthalle, da, wo unser schöner Partnerstadt-Brunnen seine Wasserfluten auf die Weltkugel ergießt. Jeder, der sich von der B 13 herunter in die historisch nicht ganz uninteressante Altstadt begibt, kommt - zumindest freitags - zwangsläufig am Wochenmarkt vorbei.

Wer natürlich nicht aufmerksam ist und nur auf die Straße guckt, der kann den Wochenmarkt schon übersehen. Zum Glück bin ich, es dürfte Mitte Oktober gewesen sein, zu Fuß an der Stadthalle vorbeigekommen und bemerkte die Plastik-Kanister an einem der wenigen Stände. Als "Ur-Einwohner" wußte ich natürlich sofort, diese Kanister enthalten ein heimtückisches Getränk, welches nur wenige Wochen im Jahr genossen werden kann - den "Federweißen".

Manchmal ist auch ein gemütlicher Franke in der Lage, sich schnell zu entscheiden. Vor allem dann, wenn es um Essen und Trinken geht. Also packe ich etwas umständlich meine Kamera in den Rucksack und überquere die Straße, halte direkt auf die beiden Plastik-Kanister zu. Dort angekommen neige ich schon etwas zur Euphorie. Ein paar Umstehende glotzen mich zwar blöde an, aber ich sage laut und fröhlich: "Wer von euch verkauft mir einen Federweißen?"

Ein kleiner, älterer Herr, der mir bisher nicht auffiel, lächelt und meint, welche Sorte ich denn haben möchte. Nachdem ich mich für den "Weißen" entschieden und ein paar mal an meinem Glas genippt hatte, erzählt mir der ältere Herr, welcher ein Winzer aus dem Nachbardorf ist, es sei der "Rote", der richtig gut schmecke, der aber auch 50 Cent teurer sei. So ist das mit den Franken. Es dauert immer ein wenig, bis sie mit der Sprache herausrücken.

Ich erwähnte bereits, daß es sich beim Federweißen um ein heimtückisches Getränk handelt. Nichtsdestotrotz beeilte ich mich mit meinem ersten Glas, denn ich wollte ja den besseren, roten Traubenmost probieren. Und tatsächlich, es war ein wirklich köstlicher Stoff. Inzwischen hatte ich die wenigen Menschen schon ganz gut kennengelernt, welche mit mir am Winzerstand zu Gast waren. Doch so richtig ins Gespräch kam ich nur mit einem Herrn, einer sächsischen Frohnatur, die mir - wieder einmal - deutlich vor Augen führte, was einen Franken im Vergleich zu anderen Landsmännern auszeichnet: Er spricht nur das Nötigste und wählt seine wenigen Worte genau aus.

Deshalb ist der weltweit kürzeste Satz auch ein fränkischer, genauer gesagt, ein "unterfränkischer". Er lautet: "Ha u a e ü?" Vielleicht versteht das nicht jeder Leser, deshalb kläre ich auf... es handelt sich hierbei um die Frage, welche eine unterfränkische Bäuerin ihrer Nachbarin stellt: "Hast Du ein Ei übrig?" Wie man richtiger Weise vermutet, hat bei mir die Wirkung des Federweißen schon eingesetzt. Doch ich kann noch soweit denken, daß ich mir "den Rest lieber zuhause geben" will. So lasse ich also eine Flasche von Rotem und Weißem abfüllen, zahle insgesamt die stolze Summe von sechs Euro fünfzig, und nehme mangels Zwiebel- noch einen Streußelkuchen mit.

Es ist ein lustiger Abend geworden und während ich so schreibe, weiß ich nicht mehr, ob ich die gleiche Geschichte nicht schon einmal schrieb. Das Alter, der Alkohol und die Einsamkeit nagen an meinen Eingeweiden, an meinem Erinnerungsvermögen. Meine Leser und Leserinnen laufen sicher in Scharen weg. Sie wollen sich das nicht mehr antun. Immer wieder das Gleiche, bla bla bla...

Dieses "Mirinda light" schmeckt aber auch zu dämlich. Wenn ich nur an den roten Federweißen denke, könnte ich wehmütig werden. Vielleicht schreibe ich besser über Depressionen und die Möglichkeiten, wie man einen "anständigen" Suizid hinbekommt. Aber das glaubt mir auch keiner. Schließlich verriet ich ja in meinem letzten Artikel, daß ich manchmal die Unwahrheit schreibe und das womöglich alles gar nicht stimmt, was hier zu lesen ist. Ich weiß doch auch nicht, was ich von dieser Welt halten soll, wenn mir ein kleiner, provinzieller Wochenmarkt schon die Sinne raubt... ;-)
16.11.16 01:11
 


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