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Von Spießern, Nachbarn und Kartoffel-Salat!

Es ist ein wunderschöner, beginnender Sommertag des Jahres 2016. Schräg gegenüber sehe ich - neugierig aus dem Küchenfenster blickend - meine Nachbarn im Garten sitzen. Hans und Emma Spießer, seit vielen Jahren verheiratet und mittlerweile stolze Großeltern von zwölf völlig missratenen Kindeskindern. Hans ist Frührentner, trägt einen prächtigen Bauch vor sich her und ist ausgesprochen geizig. Seine Ehefrau Emma übertrifft Hans im Leibesumfang um ein Weniges und ist die bestinformierteste Frau in unserer Straße.

Wenn die beiden in ihrem Garten sitzen... dann sitzen sie. Und weil sie sich nur noch selten bewegen, verlegen sie sich meist auf eine ungepflegte Unterhaltung. Diese führen sie gerne so lautstark, daß ich an meinem Fenster keine Mühe aufwenden muß, um sie zu verstehen. Gerade eben meint Hans, im Brustton der Überzeugung: "Der Schwachkopf von Nachbar beobachtet uns wieder hinter seinem Fenster und denkt, wir merken es nicht!" Emma neigt sich nur ein wenig zur Seite, läßt zustimmend einen langgezogenen Furz entweichen, was Hans wiederum zu der Feststellung inspiriert: "Genau, das meine ich auch!"

Ich mag meine Nachbarn. Das sind ganz normale Menschen. Sie mögen nur sich selbst und lassen nur ihre eigenen Ansichten gelten. Hans und Emma verzichten darauf, sich in den Kopf eines Anderen hineinzudenken. Was soll ein Flüchtling schon anderes wollen, als unser Geld und was kann ein Moslem anderes sein als ein Terrorist? Darüber muß man nicht nachdenken. Die Welt ist gar nicht so kompliziert, wenn man sie von einem Gartenmöbel aus betrachtet.

Hinter meinem Fenster rücke ich mir den Chefsessel zurecht, lege ein Kissen auf den Heizkörper, strecke meine Beine aus und stelle meine Kaffeetasse in Griffweite auf die Arbeitsplatte. Da fährt ein bunt bemalter, klappriger Kleinbus vor das Nachbarhaus und ich weiß in etwa, was jetzt folgt. Zur Gehsteigseite hin wird die Seitentür des Busses aufgerissen und aus dem Inneren des Fahrzeugs entströmt eine wilde, rotznasige Kinderschar. "Oma, Opa, schaut was wir euch mitgebracht haben!" Eines der größeren Kinder trägt eine helle, offensichtlich schwere Plastik-Schüssel in den Händen und zeigt sich bemüht, diese nicht fallen zu lassen. Doch der kleine Familien-Köter, den die Nachbarschaft aus unerfindlichen Gründen "Ratte" ruft, läuft dem Kind zwischen die Beine, sodaß dieses der Länge nach auf den Bürgersteig schlägt.

Geistesgegenwärtig schützt das Kind sein Gesicht und bringt die Schüssel zwischen dieses und dem harten Betonboden. Zwar sind Knie und Ellbogen aufgeschlagen, aber Nase und Stirn landen weich in einem großen Haufen Kartoffel-Salat. Die Situation hat soviel Komik, daß ich laut lachen muß, was Emma wiederum so kommentiert: "Lach nicht über die Kinder. Du bist ja zu blöd, um selbst welche zu machen!" Inzwischen sind auch die Eltern der Kinder aus dem Bus geklettert und Sabrina, die ihrer Schwiegermutter Emma aufs Haar gleicht, zeigt mir ihre Faust, wobei der ausgestreckte Mittelfinger weitere Erklärungen überflüssig macht.

Am liebsten würde ich meinen Rechtsanwalt anrufen und ihn prüfen lassen, ob eine Klage wegen obszöner Beleidigung Sinn macht. Aber es sind schon 27 Verfahren anhängig und gerade in den letzten Wochen stellte ich fest, mein Anwalt zeigt keine echte Begeisterung mehr, wenn ich ihm die Chance gebe, ein weiteres Mal sein Können vor dem Amtsgericht zu beweisen.

Allerdings mag ich meinen Nachbarn jetzt nicht mehr zusehen und schiebe meinen Chef-Sessel vor den PC. Bei Facebook eingeloggt verschlägt es mir die Sprache... ich sei ein Kinder-Schänder, ein herzloser Anti-Christ, ein ruchloser Spanner und ein grundsätzliches Übel, welches von dieser Welt verbannt gehört. Wo kommt das her...? Bald stelle ich fest, das Nachbarkind hat es mir so richtig gegeben. Mit noch blutenden Fingerknöcheln goß es seinen glühenden Haß auf mich ins Netz. Und schon bekommt es Zustimmung, aus der ganzen Straße...

Ich stürze in die Küche und erstarre... da stehen alle Nachbarn vor meinem Fenster, drohen mir mit wutgeballten Fäusten und ausgestreckten Mittelfingern. Emma von gegenüber lacht so häßlich und laut wie eine Hexe, während Hans, mit sich und der Welt zufrieden, in eine gegrillte Hähnchenkeule beißt. Der kleinste Enkel steigt ungeniert auf den Eßtisch, läßt seine Hose herunter und zeigt mir seinen blanken Hintern, wobei alle Nachbarn schallend lachen und anfangen, Dreck und Steine in mein Fenster zu werfen.

Schon fliegt auch die erste Brandfackel und ich rufe die Polizei. Aber die kann mir nicht helfen, denn ich bin nur ein kleines Arschloch und kann nicht sprechen... Ich will nur noch aufwachen - bitte!!
2.12.16 10:30
 
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