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Der Hurensohn!

Ich war noch nicht geboren, als folgende Begebenheiten eine entscheidende Rolle für mein bald entstehendes Leben spielten...

Im Hinterhof spielten zwei Brüder mit einem alten Holz-Auto. Die Achsen waren gebrochen, die Gummiräder verloren gegangen. Es war das einzige Spielzeug der Kinder des jüdischen Apothekers Aaron Mühlstein. Montags und freitags ging meine zukünftige Mutter zu Herrn Mühlstein in die Apotheke und fragte nach einem Medikament, welches ihr Vater brauchte, um seine Schmerzen besänftigen zu können.

Herr Mühlstein war gerne behilflich, hatte jedoch nichts zu verschenken und meine zukünftige Mutter besaß kein Geld. Deshalb litt ihr Vater oft große Schmerzen. Eines Tages ließ Herr Mühlstein durchblicken, für gewisse Gefälligkeiten wäre er bereit, das Medikament unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Meine Mutter überlegte und es bestand für kurze Zeit die Möglichkeit, daß ich der Sohn eines Apothekers werden würde. Doch meine Mutter ließ mir dieses Glück nicht zuteil werden. Sie hatte sich in den hübschen Bäckergesellen verliebt, der ihr hin und wieder ein Stück Brot zusteckte.

Aber auch der Bäckergeselle wurde nicht mein Vater. Meine Mutter beschloß, eine Prostituierte zu werden. Sie war bereit, in jungen Jahren die Verantwortung für den kranken Vater und die geistig behinderte Mutter zu übernehmen. Allerdings ging sie nicht mehr in die Kirche. Der Pfarrer hatte kein Verständnis für das selbstlose Handeln meiner Mutter. Und ich mußte noch lange auf meinen Vater warten, obwohl der männliche Samen reichlich floß.

Als ich dann endlich im Entstehen war, fing die Not meiner Mutter von Neuem an. Ihre Eltern schlugen sie, weil sie kein Geld mehr heim brachte und weil sie sich von einem Mann schwängern ließ, dessen Namen sie nicht nennen konnte oder wollte. Mein zukünftiger Großvater lag - nachdem er seine Tochter verprügelt hatte - wieder in seinem Bett und schrie vor Schmerz, während die Großmutter blöd vor sich hinstarrte. Manchmal fuhr noch das Leben in meine Großmutter. Dann fuchtelte sie wild mit den Armen herum, weinte und lachte gleichzeitig, riß die Augen weit auf und schlug ihren Kopf gegen den Türpfosten.

Schließlich erblickte ich das Licht der Welt in wenig schönen Verhältnissen. Mein Großvater wollte mich auf der Stelle den Schweinen zum Fraß vorwerfen. Aber zu meinem Glück kamen fremde Männer vorbei und nahmen meinen Großvater mit, der sich heftig wehrte. Die Großmutter hingegen ließ sich wortlos wegtragen. Meine Mutter gab mir ihre Brust und das Gefühl, halbwegs willkommen zu sein, obwohl mein Vater ein Freier war, der nur widerwillig seinen Hurenlohn bezahlte.

Wäre ich der Sohn des jüdischen Apothekers Mühlstein geworden, hätte ich glücklich im Hinterhof mit meinen Geschwistern und einem alten Holz-Auto spielen können. Zumindest bis zu dem Tag, an dem ich durch ein Tor mit der Aufschrift: "Arbeit macht frei" gegangen wäre. "Frei" wollte ich schon immer sein, doch arbeiten wollte ich nie.

Am liebsten wäre ich ein Kind der Liebe geworden. Doch der Bäckergeselle war wohl nicht bereit, meiner verliebten Mutter die Angst vor der Zukunft zu nehmen. So wurde tatsächlich ein Asozialer aus mir, ein Parasit im Speckgürtel der Allgemeinheit. Meine Mutter hatte zu keiner Zeit vor, stolz auf mich zu sein und einen Vater hatte ich nicht. So fiel es mir leicht, das skrupellose Leben eines Hurensohns zu führen...
3.12.16 02:18
 


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